Bislang war nur die Außenfassade unter Denkmalschutz gestellt; nun wurde in einer Sitzung der BV Gräfrath entschieden, dass auch das Innere des ehemaligen Bäckereigebäudes „In der Freiheit“ in Gräfrath denkmalschutzwürdig ist. Für die BfS blieben jedoch zu viele Fragen offen oder ungeklärt; im Abstimmungsverfahren entschied sie sich daher gegen den Eintrag in die Denkmalschutzliste.

Der zentrale Gedanke hinter dem Konzept des Denkmalschutzes besteht darin, historisch interessante Bauten zu schützen und das Kulturgut zu erhalten. Im günstigsten Fall bestehen die Denkmäler als Schmuckstücke fort. Fehlt jedoch das Geld für notwendige Sanierungsarbeiten oder werden geplante Investitionen immer wieder aufs Neue behindert, verkommt ein Denkmal schnell zum ungeliebten Schandfleck – zahllose Beispiele dafür gab es in der jüngsten Vergangenheit.

Die BfS hat bei der genannten Abstimmung nach gründlicher Überlegung gegen den Eintrag des Objekts in die Denkmalschutzliste gestimmt. Unter anderem bleibt die Frage offen, warum erst jetzt festgestellt wurde, dass auch das Innere des betreffenden Gebäudes denkmalschutzwürdig ist – lange Zeit nachdem die Außenfassade unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Auch mag der Eindruck entstehen, dass Behinderungen des Besitzers und Investors durch neue Auflagen billigend in Kauf genommen und mögliche Investitionen dadurch immer weiter verschoben werden. Ein Verfahren, dass bereits im Fall „Gräfrather Bahnhof“ zu viel Ärger geführt hat – während der alte Bahnhof vor sich hingammelte.

Sicherlich sind einige der Gebäude, die sich im Besitz des genannten Investors befinden, in einem beklagenswerten Zustand. Doch auch die aufwändigen Renovierungen des „Gräfrather Hofes“ und des „Tückmantelhauses“ in der Innenstadt, die nur als positiv zu bewerten sind, dürfen bei solchen Überlegungen nicht vergessen werden.
Fest steht: Ein gelungenes Signal an neue, potenzielle Investoren sieht anders aus. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Entscheidung für den Standort Solingen nicht doch als Bärendienst erweist.

Reinhard Burski, BfS-Sprecher in Gräfrath